Alten- und Krankenpflege transsexueller Menschen

Transsexuelle sind Menschen, die sich im falschen Geschlecht geboren fühlen. Dieses äußert sich oft nur „hinter verschlossenen Türen“ oder in einer Community mit Gleichgesinnten. Ein „öffentliches Leben“ findet nur statt, wenn mal wieder ein CSD angesagt ist. Die Wege zum Coming Out sind meist lang und mit vielen Fragen versehen.

Individuelle Wege in der Gestaltung des eigenen Lebens, (temporäre) Anpassung des Erscheinungsbildes, Umgestaltung der anatomischen Gegebenheiten durch medizinische Eingriffe, Leben im Alter – all das sind Themen, die Antworten verlangen.

Kommt es dann zum Coming Out, das Leben des richtig erlebten Geschlechts, muss der transsexuelle Mensch mit psychologischen Problemen (Mobbing, Inakzeptanz durch die Umwelt), finanziellen Risiken (z.B. Verlust des Arbeitsplatzes) oder Verlust des sozialen Umfeldes rechnen.

Viele Fragen und Probleme stellen sich im Bereich der Alten- und Krankenpflege:

·         Was ist, wenn ein transsexueller Mensch aufgrund einer akuten Erkrankung (z.B. Apoplex) in ein Krankenhaus muss? In welchem Zimmer wird der Mensch untergebracht, welches Geschlecht spielt dabei Grundlage (sofern noch keine medizinische Geschlechtsangleichung stattgefunden hat)?

-          Darf ein als Mann geborener aber sich als Frau fühlender Mensch in ein 3-Bett-Frauenzimmer?

-          Genügt ein Ergänzungsausweis, der den Nachweis einer Geschlechtsumstellung führt? Und was dann –  Mensch mit Penis in Frauenkleidern bei 2 anderen Frauen?

-          Welche ethischen Konflikte entstehen in einer kirchlichen Einrichtung, die unter dem „normalen“ Weltbild Mann und Frau strikt trennt?

-          Gibt es das Recht auf ein Einzelzimmer, wenn auch die Krankenkasse dieses nicht zahlt?

·         Wie erfolgt Pflege im Alter? Welche Bedürfnisse hat ein transsexueller Mensch, der sein „falsches“ Geschlecht noch besitzt, sein richtiges aber im Pflegeheim nicht leben kann oder darf?

·         Wie sehen Pflegekräfte den transsexuellen Menschen als Individuum und wie gehen sie mit den Bedürfnissen um?

Homosexuelle Menschen haben hier weniger Probleme, da ihr Geschlecht klar definiert ist. Da spielt die sexuelle Neigung eine eher untergeordnete Rolle.

In der Vergangenheit haben sich Homosexuelle vielen Problemen gestellt – mit Erfolg! Sie konnten viele Rechte der „Heteros“ für sich einnehmen. Nun gilt es, auch den transsexuellen Menschen Gehör, eine gesellschaftliche Akzeptanz und entsprechende Rechte zu verschaffen.

Diese Problematik hat bereits auch das NRW-Ministerium für Gesundheit Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) erkannt und einen NRW-Aktionsplan für Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt ausgearbeitet.

Zu diesem wichtigen Thema wird es noch viele weitere Fragen geben – und ich hoffe, Antworten zu finden. Dazu nehme ich Kontakt mit Trans*-Vereinen und Verbänden, Trans*Menschen, Behörden, Krankenkassen und Kliniken, Ethik-Komitees und Pflegeschulen auf. Denn ich bin der Ansicht, dass Aufklärung und Sensibilisierung für dieses Thema eine wichtige Rolle für die Akzeptanz von sexuellen Minderheiten spielt und nur dadurch Respekt und Wertschätzung für den Einzelnen entsteht.

Gerne bin ich auch an vorhandenen Informationen, Erfahrungen und Vorhaben interessiert.