Aromatherapie

Die Aromatherapie mehr als nur ein "Duftlampe in die Ecke stellen und sich wohlfühlen". Ich sehe Aromatherapie nicht als Heiltherapie für körperliche oder seelische Erkrankungen. Für mich ist es eine Möglichkeit, der Seele wieder Energie zu geben, um den weiteren Weg mit Freude zu gehen - ganz gleich, wohin der Weg führt.

Erwiesen ist: Mit Düften verbindet man Erinnerungen, z.B. an den Duft des Laubes im Herbst bei einem Waldspaziergang, an die Eindrücke des letzten Urlaub in der Provence und deren Lavendelblüten u.v.m.

Natürlich findet man nicht jeden Duft gleich sympathisch. So individuell der Mensch ist, so individuell sind die Wirkungen eines einzelnen Duftes. Was der eine als belebend und fördernd wahrnimmt, verbindet ein anderer mit schlechten Erfahrungen, zeigt vielleicht sogar krankheitsähnliche Symptome wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder allergische Reaktionen. Daher ist es besonders wichtig, das Individuum Mensch in den Vordergrund zu rücken und mit ihm gemeinsam (s)einen wohltuenden und fördernden (Seelen)Duft zu ermitteln. Nur so lässt sich der Atem der Natur positiv in die Arbeit mit Aromen einbringen.

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Das Zitat von Antoine de Saint-Exupéry spricht Wahres. Vieles wird heute von der Schulmedizin verspottet, von medizinischen Labors als "Wirkung nicht nachweisbar" (wie die Homöopathie) ausgeschlagen. Dennoch glaube ich an die feinstoffliche Wirkung von Düften. Bereits vor vielen hundert Jahren wurden Behandlungen mit Kräutern, Früchten, Rinden u.a. zu Massagen und div. medizinischen Zwecken eingesetzt. Für mich ist das, was die alten Ägypter, Griechen, Araber und Römer bereits herausgefunden haben, kein Hokuspokus.

Düfte können insbesondere bei Menschen mit Demenz, für die "die reale Welt" nicht mehr vorhanden ist, für ein seelisches Gleichgewicht sorgen, die geistige Konzentration anregen oder zur Entspannung beitragen. Sie bauen Brücken vom "hier und jetzt" zu Erlebnissen in einer Zeit, die nur noch im Langzeitgedächtnis des Betroffenen vorhanden sind. Dadurch geben sie der Seele die Chance, ihre Empfindungen und Gefühle zu verarbeiten. Auch wenn das für den Anwender eine besondere Herausforderung werden kann, sollte dieses eine Form der Arbeit in der Altenpflege sein. Natürlich kann auch "der Schuss nach hinten losgehen". Daher ist Biografiearbeit hier besonders wichtig - ohne ausreichende Informationssammlung sollte eine Anwendung nur sehr achtsam und in kleinen Dosen stattfinden.

Dergleichen gilt auch für Menschen mit fehlendem Geruchssinn (z.B. Patienten Tracheostoma). Bei ihnen können feinstoffliche Informationen über die Haut aufgenommen und transformiert werden.

Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.

Ich denke, Aromatherapie darf (sofern von Fachkräften angewandt) in der Pflege keine Frage von "evidenz-basierten Studien" als Nachweis sondern ein "experimentell-basierendes Modul" sein. Wenn immer erst jede Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen werden muss, finden keine Veränderungen in der Pflege und kein Umdenken in der Gesellschaft statt. Lieber ein reflektiertes "Ich mach das mal" als ein unreflektiertes "Das war schon immer so, so machen wir es weiter".